Honig – eine fantastische Kulturgeschichte


Honig galt vor über 3000 Jahren in Ägypten als Quelle der Unsterblichkeit und war fester Bestandteil des Pharaonenkults. Tatsächlich klingt die lange Geschichte des Honigs wie eine Aneinanderreihung von mythischen Geschichten, Legenden und Superlativen. Eine Geschichte, deren älteste Überlieferung über 12.000 Jahre zurück in die Vergangenheit reicht, als Urvölker im Süden der iberischen Halbinsel ihre Beziehung zu den wilden Bienenvölkern in Felsmalereien festhielten. Bereits in jener weit zurückliegenden Epoche unserer Geschichte, schätzte man die Bedeutung des Honigs als süßen Energielieferant und Köder für die Bärenjagd.

 

Man nimmt an, dass um das 7. Jahrtausend v. Chr. der Mensch den Wandel vom „Honigräuber“ oder „Honigjäger“ zum „Bienenhalter“ vollzog, und sich erste Formen der Bienenhaltung und eine zielgerichtete Honigproduktion herausbildete. Das heutige Anatolien gilt hier als das Ursprungsgebiet der Imkerei und Geburtsstätte des "Goldfarbenen", eine Übersetzung des ursprünglichen, indogermanischen Wortes für „Honig“. Vermutlich fand die Verehrung des "flüssigen Goldes" einen Höhepunkt im antiken Ägypten, Indien, China und Mexiko. Hier wurde der Honig zum Göttlichen erhoben und als Nahrung der Götter bezeichnet, für rituelle und magische Zwecke genutzt und sogar als „Quelle der Unsterblichkeit“ verehrt.

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Honig in Glas

Über Jahrtausende galt der Honig als Sinnbild des Göttlichen, des Genusses und der Gesundheit. Für Augustinus von Hippo, einer der wichtigsten Kirchenlehrer und Philosophen der Spätantike, war der Honig sogar eine Verkörperung der „Güte Gottes“, bekannt als köstliches Nahrungs- und Heilmittel jener Zeit. In einem Kochbuch, herausgegeben im Jahre 1547 von Herman Gulfferich, finden wir schließlich Hinweise auf die gesundheitliche Wirkung des Honigs, den man ihm im in dieser Epoche in Deutschland zuschrieb: Hilfreich bei Magenbeschwerden, Hautunreinheiten und bei Entzündungen im Hals und Rachenraum; auch dafür schätzte man das "flüssige Gold".

 

Erst mit der industriellen Herstellung von Zucker aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr büßte der Honig seine Bedeutung und Ruf als Naturheilmittel und "göttliches" Genussmittel ein. Als reiner Süßstoff spielt der Honig heute nur noch eine untergeordnete Rolle, die er an den einfachen Industriezucker abgetreten hat. Jedoch enthält insbesondere der schonend und nachhaltig erwirtschaftete Honig gegenüber dem Haushaltszucker noch eine Fülle wichtiger Mineralstoffe, Aminosäuren und - je nach Honigart - auch einige Vitamine, die für unsere Gesundheit äußerst förderlich sind. Heute steht der gesunde Honig wieder vermehrt im Blickwinkel des Verbrauchers, der beim Kauf von Honig, sich ein Stück unberührter Natur und Lebensweise zurückerobert.

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Honig

Honig und Gesundheit

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Honig geschleudert

Heilmittel oder Nahrungsmittel?

 

Der Grund für Jahrtausende der Verehrung liegt wohl auch im gesundheitlichen Nutzen, der ihm über lange Zeit zugeschrieben wurde. Um aber eines ganz deutlich klarzustellen: Honig ist per Definition kein Heilmittel, sondern ein Nahrungsmittel – wenngleich ihm auch heute noch zumindest eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird.

 

Auf den ersten Blick vielleicht verwunderlich, sagt man dem Honig doch nach, dass er im Prinzip hauptsächlich aus Kohlenhydrate (Zucker) und Wasser besteht. So weit so richtig. Jedoch hat der Honig - im Vergleich zum gewöhnlichen Industriezucker - einige Besonderheit vorzuweisen, die ihn zu etwas besonderem machen. Zunächst besteht Honig tatsächlich vorwiegend aus Fructose, Glucose (Traubenzucker) und zu 15 bis 23 % aus Wasser.

 

Wer jetzt bei den Worten Zucker bzw. Fructose ein schlechtes Gewissen bekommt; hier kommt die Entwarnung, den Zucker ist nicht gleich Zucker. Wer Obst, Gemüse oder reinen Honig kauft, muss sich keine Sorgen machen, denn die natürliche Form der Fructose in Kombination mit weiteren Nährstoffen schaden (in Maßen genossen) natürlich dem Körper nicht.

 

Bienenhonig enthält darüber hinaus jedoch noch einige Mineralstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Eisen oder Zink. Auch wichtige Enzyme, Proteine, Aminosäuren und Vitamine nennt der Honig sein Eigen. Einige Honigsorten verfügen auch über einen hohen Vitamin-C Gehalt. Doch erst die Kombination aller natürlichen Inhaltsstoffe machen den Honig zu einem besonderen „Stoff“.

 

Fakt ist – nach heutigem Erkenntnisstand:

 

- Wer naturbelassenen Honig kauft, kauft ein gesundes Nahrungsmittel

 

- Einige Bestandteile des Honigs sorgen für eine Hemmung des Bakterienwachstums, in dem Sie den Bakterien Wasser entziehen, welches sie zum Wachstum benötigen.

 

- Auch das Abbauprodukt Wasserstoffperoxid bekämpft Bakterien

 

- Honig ist zwar kein Heilmittel, fördert aber die Wundheilung (nur medizinischer Honig!)

 

- Gluconsäure im Honig unterbindet die Vermehrung von Keimen

 

- Honig wird in den letzten Jahren auch im Wellnessbereich eingesetzt

 

- Nach der deutschen Honigverordnung darf dem Honig weder etwas hinzugefügt noch etwas entzogen werden, damit er als 100% naturbelassen gilt.

 

- Heiße Milch mit Honig ist zwar lecker, aber man sollte Honig grundsätzlich nicht (stark) erhitzen. Wer Honig über 40 Grad erhitzt, macht gesundheitliche Vorteile zunichte.